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Gerüstarten im Überblick

Fassaden-, Fang-, Trag- oder Fahrgerüst? Welche Gerüstart wofür eingesetzt wird – und was Last- und Breitenklassen bedeuten.

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Stand: Juli 2026 Lesezeit ca. 5 Min. Von Paul Gerüstbau & Bauservice

Kurz beantwortet: Gerüste werden nach ihrer Funktion unterschieden: Arbeitsgerüste (z. B. Fassadengerüste) tragen Personen und Material, Schutzgerüste (Fang- und Dachfanggerüste) sichern gegen Absturz und herabfallende Teile, Traggerüste stützen Bauteile während der Bauphase. Dazu kommen Sonderformen wie Fahr-, Hänge- und Raumgerüste.

Welche Gerüstart die richtige ist, entscheidet nicht der Katalog, sondern die Aufgabe: Wer arbeitet darauf, mit welchem Material, in welcher Höhe – und was muss geschützt werden? Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Gerüstarten und ihren typischen Einsatz:

Die wichtigsten Gerüstarten

GerüstartTypischer EinsatzBesonderheit
Fassadengerüst (Arbeitsgerüst)Anstrich, Putz, Dämmung, Fenstertausch, DacharbeitenDer Klassiker vor der Fassade; Systemgerüst nach DIN EN 12810/12811
Fanggerüst (Schutzgerüst)Absturzsicherung bei Arbeiten auf Dächern und hohen EbenenFängt Personen und Material auf; Lage und Breite sind vorgeschrieben
DachfanggerüstDachdecker- und Zimmererarbeiten ab bestimmter TraufhöheFangwand mit Netz oder Geländer über der Traufe
SchutzdachSicherung von Eingängen und Gehwegen unter dem GerüstOft Auflage der Sondernutzungserlaubnis
RaumgerüstArbeiten an Decken und in Hallen: Kirchen, Treppenhäuser, IndustrieFreistehende Flächen- oder Raumkonstruktion im Gebäude
TraggerüstAbstützung von Decken, Trägern, Brücken- und BetonbauteilenTrägt Bauteillasten statt Personen; DIN EN 12812, immer mit Statik
Fahrgerüst / RollgerüstKurze, wechselnde Arbeiten innen und außenMobil auf Rollen; DIN EN 1004; begrenzte Höhe und Last
HängegerüstBrücken, Erker, Untersichten – wo kein Gerüst stehen kannWird von oben abgehängt; reine Fachbetriebs-Lösung
SondergerüstTürme, Denkmäler, Industrieanlagen, VeranstaltungenFreie Konstruktion mit eigener Statik – wie unsere Referenzprojekte zeigen

Lastklassen: Wie viel darf ein Gerüst tragen?

Jede Gerüstlage ist für eine bestimmte Flächenlast ausgelegt. Die Lastklasse muss zur Arbeit passen – wer auf einem Malergerüst Steine stapelt, überlastet es:

LastklasseZulässige LastTypische Nutzung
10,75 kN/m² (ca. 75 kg/m²)Inspektion, Kontrolle – kein Materiallager
21,50 kN/m² (ca. 150 kg/m²)Leichte Arbeiten ohne Materiallagerung, z. B. Anstrich
32,00 kN/m² (ca. 200 kg/m²)Standard-Fassadengerüst: Maler, Putz, Verfugung, Dämmung
43,00 kN/m² (ca. 300 kg/m²)Maurerarbeiten, schwerere Materialien
54,50 kN/m² (ca. 450 kg/m²)Schwere Maurer- und Natursteinarbeiten
66,00 kN/m² (ca. 600 kg/m²)Schwerlast, z. B. Steinlagerung, Industrie

Zusätzlich gibt es Breitenklassen (W06 bis W24): Sie geben die nutzbare Belagbreite an – von 0,6 m für einfache Arbeiten bis über 2 m, wenn Material gelagert oder mit Geräten gearbeitet wird. Standard-Fassadengerüste haben meist W06 oder W09.

Welches Gerüst für welches Projekt?

In der Praxis kombinieren wir die Bausteine: Ein Einfamilienhaus mit Dachsanierung bekommt ein Fassadengerüst der Lastklasse 3 mit Dachfangschutz; ein Mehrfamilienhaus an der Straße zusätzlich Schutzdach und Beleuchtung; eine Kirchendecke ein Raumgerüst mit eigener Statik. Die passende Lösung planen wir für Sie – von der klassischen Einrüstung über Absturzsicherung und Netze und Wetterschutz bis zu Treppentürmen und Zugangstechnik. Was das kostet, lesen Sie im Artikel Was kostet ein Gerüst?

Technische Angaben nach DIN EN 12810/12811 (Arbeitsgerüste), DIN EN 12812 (Traggerüste), DIN EN 1004 (Fahrgerüste) und TRBS 2121-1; Stand Juli 2026. Maßgeblich sind immer Aufbau- und Verwendungsanleitung des Systems und die projektbezogene Planung.

Häufige Fragen

Gerüstarten – gut zu wissen

Was ist der Unterschied zwischen Arbeitsgerüst und Schutzgerüst?

Ein Arbeitsgerüst dient als Standfläche für Personen, Werkzeug und Material – zum Beispiel das klassische Fassadengerüst. Ein Schutzgerüst schützt dagegen vor Absturz oder herabfallenden Teilen, etwa als Fanggerüst oder Dachfanggerüst. Viele Gerüste erfüllen beide Funktionen gleichzeitig.

Welches Gerüst brauche ich für eine Dachsanierung?

Üblich ist ein Fassadengerüst mit Dachfangschutz: eine Fangwand mit Netz oder Geländer oberhalb der Traufe, die Personen und Material am Dachrand auffängt. Je nach Projekt kommen Schutzdächer über Eingängen oder ein Wetterschutzdach dazu.

Was bedeuten die Lastklassen beim Gerüst?

Die Lastklasse gibt an, wie viel Gewicht pro Quadratmeter Belagfläche das Gerüst tragen darf – von Lastklasse 1 (75 kg/m², nur Inspektion) bis Lastklasse 6 (600 kg/m², schwere Lasten). Maler arbeiten meist auf Klasse 2–3, Maurer brauchen mindestens Klasse 4.

Welche Normen gelten für Gerüste?

Arbeits- und Fassadengerüste richten sich nach DIN EN 12811 und DIN EN 12810, Traggerüste nach DIN EN 12812, fahrbare Gerüste nach DIN EN 1004. Für Auf-, Um- und Abbau sowie die Nutzung gilt in Deutschland zusätzlich die TRBS 2121-1.

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